Kurzfassung
Markus Somm analysiert in seiner Kolumne, wie die Schweiz ihren liberalen Kompass durch politische Konflikte mit der Wirtschaft verliert. Am Beispiel der UBS-Krise zeigt er, wie übertriebene Eigenkapitalvorschriften von Karin Keller-Sutter zur Übernahme durch eine amerikanische Bank führten – ein Versäumnis liberaler Wirtschaftspolitik mit gravierenden Konsequenzen für die Schweiz.
Personen
- Markus Somm – Autor, Chefredaktor Nebelspalter
- Karin Keller-Sutter – Bundesrätin, Finanzministerin
- Sergio Ermotti – CEO UBS
- Thomas Jordan – Präsident SNB
- Kaspar Villiger – ehemaliger Finanzminister
- Mario Corti – ehemaliger CEO Swissair
Themen
- Bankenkrise und Regulierung
- Liberale Wirtschaftspolitik
- UBS-Übernahme
- Staatsgarantien
- Politisch-wirtschaftliche Konflikte
Detaillierte Zusammenfassung
Der Artikel zeichnet ein kritisches Bild der Schweizer Wirtschaftspolitik durch drei historische Parallelen. Zunächst wird die Swissair-Krise erwähnt: Flugminister Kaspar Villiger, ein liberaler Freisinniger, lehnte 2001 eine Bundesgarantie von einer Milliarde Franken ab – getreu dem Prinzip, dass der Staat Unternehmen nicht stützen darf. Diese Entscheidung führte zum Kollaps der Fluggesellschaft.
Die zweite Geschichte behandelt die Credit Suisse-Krise: Obwohl SNB-Präsident Thomas Jordan und Finanzministerin Karin Keller-Sutter anfangs nach Lösungen suchten, wurde keine Garantie gewährt. Die CS verschwand in der UBS – zunächst wurde dies als pragmatische Schweizer Lösung gefeiert.
Die dritte und entscheidende Geschichte kritisiert, wie politischer Druck gegen hohe Bankmanagergehälter zu extremen Regelungen führte. Inspiriert durch mediale und politische Kritik an Sergio Ermottis Lohn, verschärfte Karin Keller-Sutter die Eigenkapitalvorschriften für Banken massiv. Dies machte die UBS so unrentabel, dass sie von einem amerikanischen Finanzkonzern für einen Spottpreis übernommen wurde.
Somm argumentiert, dass die Schweiz damit ihren Status als international bedeutsamer Finanzplatz und Arbeitgeber verloren hat. Schweizer Talente wandern ab, Steuereinnahmen sinken, und der Staat wird ärmer. Die liberale Partei FDP habe ihre Kernprinzipien aufgegeben und sich von linken Mediendebatten leiten lassen.
Kernaussagen
- Die Schweiz verliert ihren liberalen Kompass durch politische Konflikte mit der Wirtschaft
- Übertriebene Regulierung und populistische Reaktionen auf Managerlöhne zerstören wettbewerbsfähige Unternehmen
- Die UBS-Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen ist das Resultat politischer Fehler, nicht wirtschaftlicher Notwendigkeit
- Politische und wirtschaftliche Eliten müssen wieder miteinander kommunizieren, um weitere Verluste zu verhindern
- Die Schweiz hat bereits zu viele glänzende Unternehmen durch Regulierungswahn verloren
- Ein Paradigmenwechsel ist noch möglich, aber die Zeit wird knapp
Metadaten
Sprache: DeutschAutor: Markus Somm
Publikationsdatum: 05.10.2025
Quelle: Tages-Anzeiger
Original-URL: https://www.tagesanzeiger.ch/karin-keller-sutter-und-die-ubs-ueber-die-gefahr-des-konflikts-229809185706
Textformat: Meinungskolumne
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