Übersicht

  • Autor: Sven Ziegler
  • Quelle: Bluewin
  • Datum: 30.11.2025
  • Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Zusammenfassung

Bei einer der grössten nationalen Krisenübungen Anfang November 2025 brach das zentrale IT-Lagebild des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs) mehrfach zusammen. Kantone konnten zeitweise nicht auf aktuelle Informationen zugreifen, was die Krisenbewältigung massiv behinderte. Die Panne verschärft die Kritik an der Führung des Amts und offenbart strukturelle Defizite in der Digitalisierung des Bevölkerungsschutzes.

  • Das zentrale Lagebildsystem des Babs fiel am 6. November 2025 während einer grossen Krisenübung mehrfach aus
  • Kantone hatten zeitweise keinen oder nur verlangsamten Zugriff auf kritische Lageinformationen
  • Bereits bei der letzten Übung 2024 traten ähnliche Probleme auf
  • Ein interner Revisionsbericht warnt, dass Cyberangriffe oder Stromausfälle wesentliche Teile des Alarmierungssystems lahmlegen könnten
  • Kritik richtet sich gegen Babs-Direktorin Michaela Schärer wegen fehlender Fortschritte in der Modernisierung
  • Bei einer AKW-Übung in Gösgen verschickte die Alarmzentrale widersprüchliche Informationen
  • Der Bundesrat stärkt der Amtschefin trotz Kritik den Rücken, Kantone fordern mehr Tempo

Chancen und Risiken

Chancen

  • Schwachstellen werden durch Übungen sichtbar und können vor echten Krisen behoben werden
  • Politischer Druck kann notwendige Reformen und Investitionen in IT-Infrastruktur beschleunigen
  • Revisionsbericht liefert konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen
  • Kantone artikulieren klar ihre Anforderungen an funktionierende Systeme

Risiken

  • Im Ernstfall könnte der Ausfall des Lagebildsystems die Krisenbewältigung massiv behindern
  • Wiederholte Pannen untergraben das Vertrauen zwischen Bund und Kantonen
  • Sparvorgaben des Bundes könnten notwendige Modernisierung weiter verzögern
  • Kritische Infrastrukturen wie AKWs sind bei Störungen besonders gefährdet
  • Fehlende Verantwortlichkeiten und Prioritäten blockieren digitale Transformation

Zukunftsbild

Kurzfristig (1 Jahr): Das Babs steht unter erhöhtem Druck, die IT-Systeme zu stabilisieren und weitere Übungen ohne Ausfälle durchzuführen. Die politische Debatte über Führung und Ressourcen wird sich verschärfen.

Mittelfristig (5 Jahre): Entweder gelingt eine grundlegende Modernisierung der digitalen Infrastruktur im Bevölkerungsschutz, oder wiederholte Pannen führen zu personellen und strukturellen Konsequenzen im Babs.

Langfristig (10–20 Jahre): Die Schweiz muss ihre Resilienz gegen Cyberangriffe und hybride Bedrohungen massiv ausbauen. Ohne funktionierende digitale Lagesysteme wird föderale Krisenbewältigung unmöglich.

Faktencheck

Gut belegt

  • IT-Ausfall am 6. November 2025 ist vom Babs bestätigt
  • Ähnliche Probleme bei Übung 2024 sind dokumentiert
  • Existenz eines kritischen internen Revisionsberichts
  • Widersprüchliche Informationen bei AKW-Übung Gösgen
  • Kantone äussern öffentlich Unzufriedenheit

Fehlende Daten oder Transparenz

  • Genaues Ausmass der Ausfälle und betroffene Kantone unklar
  • Konkrete Inhalte des Revisionsberichts nicht öffentlich
  • Keine Zahlen zu Investitionen oder Sparmassnahmen genannt
  • Ergebnisse interner Umfragen zur Zufriedenheit nicht transparent
  • [⚠️ Noch zu prüfen]: Ob technische oder organisatorische Ursachen für Pannen verantwortlich sind

Kurzfazit

Das wiederholte Versagen des zentralen IT-Systems bei Krisenübungen offenbart gravierende Schwachstellen im Schweizer Bevölkerungsschutz. Die Kantone verlieren das Vertrauen in die Führung des Babs, während gleichzeitig die sicherheitspolitische Lage angespannter wird. Der Bund muss jetzt entscheiden, ob er die notwendigen Ressourcen für eine funktionierende digitale Infrastruktur bereitstellt oder im Ernstfall handlungsunfähig bleibt.

Drei Schlüsselfragen

  1. Freiheit: Wie viel Transparenz über Schwachstellen in kritischer Infrastruktur verträgt eine Demokratie, ohne potenzielle Angreifer zu informieren?

  2. Verantwortung: Wer trägt die politische Verantwortung, wenn Sparvorgaben die Funktionsfähigkeit des Bevölkerungsschutzes gefährden – das Parlament, der Bundesrat oder die Amtsleitung?

  3. Innovation: Warum gelingt es dem Babs nicht, moderne, robuste IT-Systeme zu implementieren, während der Privatsektor längst resiliente Cloud-Lösungen nutzt?