Kurzfassung

Zwei Schweizer Radiojournalisten haben den Klimawandel in den Alpen nicht fotografiert – sondern aufgenommen. Sarah Heinzmann und Noah Bio sammelten Soundscapes von schmelzenden Gletschern, um ein emotionales Verständnis für die Klimakrise zu schaffen. Ihr Hörstück debütierte am Berner Podcast-Festival Sonor und zeigt: Der Klang von brechenden Gletschern vermittelt Dringlichkeit anders als Vorher-Nachher-Bilder. Die Aufnahmen entstanden unter extremen Bedingungen in der Monte-Rosa-Region und im Wallis – mit überraschenden Funden, wie dem unerklärlichen Brummen aus einer Gletscherspalte.

Personen

Themen

  • Klimawandel und Gletscherschmelze
  • Klangdokumentation und Soundscape
  • Emotionaler Zugang zur Umweltkrise

Clarus Lead

Der Klimawandel wird normalerweise in Megatonnen CO₂ und Temperaturgrafen gemessen. Zwei Schweizer Radiojournalisten wählen einen anderen Weg: Sie machen die Gletscherschmelze hörbar. Ihre Sounddokumentation zeigt, dass ein einzelnes Brummen aus einer Gletscherspalte manchmal mehr bewegt als Tausende Statistiken. Das Hörstück wurde am Berner Podcast-Festival Sonor uraufgeführt und dokumentiert ein Jahr intensiver Feldarbeit in den Schweizer Alpen – unter extremen logistischen Bedingungen.


Detaillierte Zusammenfassung

Sarah Heinzmann und Noah Bio arbeiten beide beim Berner Radio Rabe und starteten ihr Projekt als Erweiterung einer klassischen Reportage-Serie zum Klimawandel im Kanton Bern. Der entscheidende Moment kam, als Bio einen Kurs bei Klangkünstler Ludwig Berger besuchte – einem Spezialisten für Soundscapes von Gletschern und Mooren. Die beiden realisierten: Geräusche können das Unsichtbare sichtbar machen.

Die Feldarbeit fand im Sommer 2025 statt und führte sie in mehrere Hochgebirgsregionen: die Monte-Rosa-Region im Wallis, das Misochs-Gebiet in Graubünden und den Jungfraujoch. Die logistischen Herausforderungen waren erheblich. Spezielle Hydrofone für Wassseraufnahmen, Mikrofone für tiefe Frequenzen und Dutzende Batterien mussten über tausende Höhenmeter geschleppt werden. Viele Stunden des aufgenommenen Materials waren technisch unbrauchbar – störende Hintergrundgeräusche, schlechte Tonqualität, Wanderer, die unerwartet in Aufnahmen sprachen.

Ein Moment blieb unvergessen: In einer Gletscherspalte vernahmen sie ein tiefes, resonantes Brummen, das von nirgendwo zu kommen schien. Zuerst vermuteten sie einen Hubschrauber, doch der Klang kam von unten. Bis heute können sie nicht mit Sicherheit sagen, was dieses Phänomen verursachte – möglicherweise Wasser, das durch Felsspalten floss und der Gletscherkörper als Resonanzkörper fungierte.

Inhaltlich argumentieren die Journalisten, dass Soundscapes einen anderen sinnlichen Zugang als Visualisierungen bieten. Alle kennen die erschreckenden Vorher-Nachher-Fotos des Aletsch-Gletschers. Aber wenige haben je die klingende Landschaft einer schmelzenden Gletscher erlebt – das Krachen von Eis, das Tropfen von Wasser, das Ächzen des Gesteins. Diese Geräusche sind nicht neu, aber ihre Intensität und Häufigkeit im Jahr 2025 markiert den Unterschied: Alles passiert früher und massiver als früher.


Kernaussagen

  • Soundscape statt Statistik: Klangdokumentationen vermitteln Klimawandel emotionaler als Daten oder Fotos.
  • Feldarbeit unter Extrembedingungen: Hochgebirgsaufnahmen erforderten spezialisierte Ausrüstung, extreme Gewichte und viel Improvisation.
  • Gletscherschmolze beschleunigt sich: Geräusche, die früher dem Sommer gehörten, ereignen sich jetzt früher und intensiver – ein Indikator für rasante Veränderungen.

Kritische Fragen

  1. Evidenz & Repräsentativität: Können einzelne Soundscapes aus wenigen Gletschern den flächenhaften Klimawandel der Schweiz wirklich abbilden, oder besteht die Gefahr, spektakuläre Einzelfälle zu überrepräsentieren?

  2. Emotional vs. faktisch: Inwiefern ersetzt emotionale Resonanz durch Klang tatsächlich wissenschaftliche Literalität – könnte der Fokus auf Ästhetik sogar von unwillkürlichen Handlungsfähigkeit ablenken?

  3. Mikrofoneffekte: Wie beeinflussen Mikrofontechnologie, Frequenzbereiche und Nachbearbeitung die Wahrnehmung dieser Geräusche? Hören Zuhörer das, was wirklich passiert, oder eine gefilterte Interpretation?

  4. Zielgruppe und Reichweite: Wer hört dieses Hörstück – bereits Klimabewusste oder Skeptiker? Gibt es Daten zu Publikumsreaktionen und ob das Format tatsächlich Handlungsbereitschaft ändert?

  5. Kausalität des Brummens: Das unerklärte tiefe Brummen in der Gletscherspalte wird nicht aufgelöst – wie wirkt sich diese Unsicherheit auf die Glaubwürdigkeit der Dokumentation aus?

  6. Repräsentativität der Standorte: Warum wurden gerade Monte Rosa, Misochs und Jungfraujoch ausgewählt? Folgte dies wissenschaftlichen Kriterien oder eher Zugänglichkeit und Bekanntheit?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Regionaljournal Bärer-Freiburg-Wallis – SRF Audio

Beteiligte Institutionen:

  • Rabe Radio (Bern)
  • Sonor Podcast-Festival (Bern)
  • SRF

Verifizierungsstatus: ✓ 27.02.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 27.02.2026