Kurzfassung

Der ehemalige Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber kritisiert die Walliser Strafuntersuchung zur Brandkatastrophe von Crans-Montana (31. Dezember 2024) scharf. Er moniert drei zentrale Versäumnisse: mangelhafte Kommunikation gegenüber Opfern und Öffentlichkeit, zu wenige Obduktionen (nur 2 von 41 Todesfällen) und die verspätete Inhaftierung der Barbetreiber zur Beweissicherung. Lauber warnt, dass diese Fehler die Glaubwürdigkeit des gesamten Schweizer Justizsystems beschädigen – besonders mit Blick auf die sechs italienischen Todesopfer und internationalen Beobachter.

Personen

Themen

  • Strafverfolgung und Opferschutz
  • Justizglaubwürdigkeit und Kommunikationspflicht
  • Beweissicherung und Obduktion
  • Föderalismus und Kantonskompetenzen

Clarus Lead

Laubers öffentliche Kritik an der Wallis-Justiz markiert einen seltenen Moment institutioneller Selbstreflexion: Ein ehemaliger oberster Strafverfolger der Schweiz prangert an, dass eine Katastrophe mit 41 Todesfällen und internationalen Dimensionen von lokalen Behörden prozedural schlecht bewältigt wird. Seine Intervention zielt nicht auf Schuldzuweisung einzelner Personen, sondern auf Systemversagen – und signalisiert, dass auch komplexe föderale Strukturen bei Extremfällen externe Hilfe benötigen dürfen. Dies könnte eine Debatte über Eskalationsmechanismen in der Schweizer Strafjustiz auslösen.


Detaillierte Zusammenfassung

Lauber argumentiert, dass Kommunikation in schweren Strafverfahren nicht als Amtsgeheimnisverletzung, sondern als Bürgerpflicht verstanden werden müsse. Obwohl Untersuchungen grundsätzlich nicht öffentlich sind, habe die Walliser Staatsanwaltschaft ein hohes Risiko eingegangen: Sie blieb zu lange dunkel, zu technisch und emotionslos, während 41 Menschen starben und Hunderte Angehörige – viele davon Italiener – ohne Orientierung blieben. Lauber kritisiert konkret, dass nur zwei der 41 Leichname obduziert wurden. Bei einer Brandkatastrophe sei unklar, woran jeder einzelne Mensch gestorben sei (Feuer, Rauch, Quetschung); dies könne nur eine Obduktion klären. Sie müsse unmittelbar nach der Tat erfolgen, sonst gingen Spuren verloren und könnten nicht wiedergewonnen werden. Dies sei kein optionales Verfahrensschritt, sondern eine Rechtsobliegenheit gegenüber den Angehörigen.

Das dritte Versäumnis: Die Barbetreiber seien erst nach öffentlichem Druck verhaftet worden. Lauber betont, dass Verhaftung nicht Reaktion auf Mediendruk sein darf, sondern Instrument der Beweissicherung von Anfang an sein muss – um zu verhindern, dass Verdächtige Papiere vernichten oder Zeugen beeinflussen. Eine späte Verhaftung signalisiere nachträgliche Schadensbegrenzung statt professionelle Ermittlungsstrategie.

Zur Frage, ob eine externe Staatsanwaltschaft aus einem anderen Kanton die Untersuchung übernehmen solle, äussert sich Lauber vorsichtig. Er lehnt das jetzt nicht kategorisch ab, sieht aber das grössere Problem: Die Glaubwürdigkeit der Schweizer Justiz leidet unter mangelnder Kommunikation, nicht primär unter Befangenheit. Rumoren und Gerüchte entstehen im Vakuum. Hier müsse der Kanton Wallis früher aktiv kommunizieren – was legal möglich ist und Vertrauen aufbaut, statt es zu zerstören.


Kernaussagen

  • Justizglaubwürdigkeit entsteht durch proaktive, empathische Kommunikation – nicht durch Schweigen.
  • Obduktion ist bei Brandkatastrophen nicht optional; ihre Unterlassung ist ein Justizfehler, der nicht repariert werden kann.
  • Beweissicherung durch frühe Verhaftung ist Fachpflicht, nicht Reaktion auf öffentlichen Druck.
  • Föderale Kantonsstrukturen können auch ohne externe Übernahme funktionieren, wenn sie sich früh transparent kommunizierend einschalten.

Kritische Fragen

  1. Evidenz & Quellenvalidität: Lauber kritisiert eine laufende Untersuchung ohne vollständige Dossier-Einsicht. Wie gesichert sind seine Aussagen zu Obduktionszahlen und Verhaftungstiming? Können diese Zahlen öffentlich verifiziert werden, oder basieren sie auf Presseberichten?

  2. Interessenskonflikte & Motivation: Lauber selbst ist wegen der FIFA-Affäre 2020 zurückgetreten (Vorwurf: nicht erklärte Treffen mit Infantino, Glaubwürdigkeitsverlust). Ist seine heutige Kritik an der Walliser Justiz ein Versuch, das eigene Vertrauen durch externe Kritik zu restaurieren – oder eine genuine institutionelle Sorge?

  3. Kausalität & Alternativen: Lauber sagt, mangelnde Kommunikation habe die Glaubwürdigkeit der ganzen Schweizer Justiz beschädigt. Ist das empirisch nachweisbar, oder ist es eine retrospektive Interpretation von Medienberichterstattung? Gab es andere Kommunikationsstrategien, die hätten helfen können, ohne Verfahrenssicherheit zu gefährden?

  4. Umsetzbarkeit & Nebenwirkungen: Laubers Forderung nach mehr Kommunikation in laufenden Verfahren könnte auch dazu führen, dass Verdächtige früher informiert werden oder öffentliche Diskurse Ermittlungsarbeit behindern. Wie würde Lauber diese Spannung auflösen?

  5. Föderale Alternative & Timing: Lauber nennt eine externe Staatsanwaltschaft „zu spät", sieht aber auch das Risiko von Befangenheit. Zu welchem Zeitpunkt einer Untersuchung wäre es nicht zu spät gewesen, eine externe Fachperson einzubeziehen – und nach welchen Kriterien?

  6. Obduktion & Nachholung: Lauber sagt, nur zwei von 41 Personen wurden obduziert. Ist unklar, ob die übrigen 39 es nicht brauchten (z.B. klare Todesursache durch Brand) oder ob es eine administrative Vernachlässigung war? Wie wird diese Entscheidung in der Walliser Praxis normalerweise getroffen?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: SRF Tagesgespräch – „Michael Lauber: Ex-Bundesanwalt kritisiert Crans-Montana" (02.06.2026, 26:27 min) https://download-media.srf.ch/world/audio/Tagesgespraech_radio/2026/06/Tagesgespraech_radio_AUDI20260602_NR_0022_eb132788a0b3423d92ff41c0b79c8a46.mp3

Ergänzende Quellen: – Bundesverwaltungsgericht-Urteil gegen M. Lauber (2020) – FIFA-Affäre, Dossier-Verweigerung – Biografie Michael Lauber (Diami Hefliger, 2024): „Ein Leben für Verantwortung und Selbstbestimmung" – Christkatholische Kirche Schweiz – Mitteilungen zu Lauber als Kommunikationssprecher (seit Ende 2024)

Verifizierungsstatus: ✓ 02.06.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 02.06.2026