Kurzfassung
25 europäische Cloud- und Digitaldienstleister fordern in einem offenen Brief an die EU-Kommission konkrete Regeln gegen „Souveränitäts-Washing" durch US-Hyperscaler. Der geplante Cloud and AI Development Act (CADA) soll Souveränität durch echte Kontrolle definieren, nicht durch blosse EU-Präsenz. US-Konzerne wie AWS, Microsoft und Google dominieren mit 70 Prozent Marktanteil, unterliegen aber weiterhin dem US CLOUD Act, der Datenhoheit gefährdet.
Personen
- Henna Virkkunen (Executive Vice-President EU-Kommission)
- Francisco Mingorance (CISPE-Generalsekretär)
Themen
- Digitale Souveränität
- Cloud-Regulierung
- Datenschutz & Extraterritorialität
- Europäische Wettbewerbsfähigkeit
- KI-Infrastruktur
Clarus Lead
Der Branchenverband CISPE kritisiert in einem offenen Brief an Henna Virkkunen, dass US-Cloud-Provider ihre europäische Präsenz als „Souveränität" vermarkten, ohne echte Kontrolle abzugeben. Das Phänomen „Souveränitäts-Washing" beschreibt die Praxis, mit EU-Rechenzentren und Sicherheitszertifikaten zu werben, während Unternehmen weiterhin dem US CLOUD Act unterliegen. Der geplante CADA-Regulierungsrahmen soll diesem Missbrauch Einhalt gebieten und europäischen Anbietern Marktanteile zurückgeben.
Detaillierte Zusammenfassung
Der offene Brief vom 17. März 2026 adressiert die federführende Kommissarin für technologische Souveränität und richtet sich gegen die Marktdominanz von AWS, Microsoft Azure und Google Cloud mit kombiniert etwa 70 Prozent Marktanteil. Microsoft hatte 2025 vor dem französischen Senat zugeben müssen, keine Garantie für europäische Datenhoheit leisten zu können – ein symptomatisches Problem für den gesamten Sektor.
Die fünf geforderten Prinzipien zielt auf strukturelle Veränderungen: Erstens eine strikte Definition von Souveränität über tatsächliche Kontrollrechte statt Standort-Marketing. Zweitens Resilienz durch kundenseitige Verschlüsselung und Datenportabilität als Schutz vor extraterritorialen Zugriffen. Drittens ein Beschaffungsprinzip „Buy European – Ensure Resilience – or Explain", das öffentliche Aufträge strategisch lenkt. Viertens Wettbewerbsschutz durch Interoperabilität und Verbot von KI-Cloud-Bündelungen. Fünftens Priorisierung von staatlichen Investitionen für europäische Infrastruktur.
CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance warnt, Europa dürfe die „einmalige Chance" nicht verspielen, digitale Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Ein Gigawatt europäischer Infrastruktur müsse „Investition in strategische Autonomie" sein, sonst vertiefe sich nur die Abhängigkeit. Lokale Anbieter halten derzeit etwa 15 Prozent Marktanteil und könnten insbesondere bei öffentlichen Aufträgen und sensiblen Daten profitieren.
Kernaussagen
- Marktdominanz problematisch: US-Hyperscaler kontrollieren 70 % des europäischen Cloud-Markts, unterliegen aber weiterhin US-Gesetzen wie dem CLOUD Act
- Schein-Souveränität kritisiert: EU-Rechenzentren und Zertifikate täuschen Kontrolle vor, ohne echte Datenhoheit zu gewähren
- Fünf-Punkte-Forderung: Von echter Kontrolldefinition über Resilienz bis zu reservierter Beschaffung für europäische Anbieter
- Wettbewerbsschutz zentral: Interoperabilität und Verbot von KI-Cloud-Bündelungen sollen Marktverzerrungen begegnen
- Strategische Autonomie gefährdet: Ohne Umsteuern vertieft Europa nur seine technologische Abhängigkeit von Übersee
Kritische Fragen
Evidenz: Basiert die 70-Prozent-Marktanteilsangabe auf aktuellen Marktforschungsdaten, oder handelt es sich um Schätzungen? Wie ist die Abgrenzung „europäischer" vs. „US-amerikanischer" Anbieter methodisch definiert?
Interessenskonflikte: CISPE vertritt direkt konkurrierende europäische Anbieter – inwiefern könnte die Forderung nach „reservierter Beschaffung" europäische Anbieter bevorzugt, unabhängig von Kosteneffizienz oder Leistung?
Kausalität: Ist belegt, dass der CLOUD Act tatsächlich zu Datenzugriffen auf europäischen Kundendaten führte, oder bleibt es ein theoretisches Risiko? Welche Alternativen zu technischen Kontrollen (z.B. vertraglich zugesicherte Resistenz) existieren?
Umsetzbarkeit: Können europäische Anbieter technisch und wirtschaftlich konkurrenzfähige Lösungen zu AWS/Azure-Skalierung anbieten, oder scheitert eine „Buy European"-Quote an Qualitätsmängeln oder Kostennachteilen?
Gesamtwirkung: Könnte ein Beschaffungszwang für europäische Cloud-Services zu höheren IT-Kosten für Behörden und Unternehmen führen – und damit indirekt der digitalen Wettbewerbsfähigkeit schaden?
Regulierungskosten: Welche administrativen und technischen Lasten entstehen durch die Interoperabilitäts- und Reversibilitäts-Anforderungen für alle Cloud-Anbieter?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Cloud: 25 europäische CEOs warnen EU vor Souveränitäts-Washing – https://www.heise.de/news/Cloud-25-europaeische-CEOs-warnen-EU-vor-Souveraenitaets-Washing-11217583.html
Verifizierungsstatus: ✓ 17. März 2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 17. März 2026