Kurzfassung
Das EU-Parlament hat sich für den Haushaltsrahmen 2028–2034 positioniert und fordert eine deutliche Budgetausweitung auf etwa 1,78 Billionen Euro (plus 10 Prozent gegenüber dem Kommissionsentwurf). Kern der parlamentarischen Position ist die Einführung neuer Eigenmittel, darunter eine dezidierte Abgabe auf digitale Dienstleistungen, die jährlich rund 60 Milliarden Euro generieren soll. Das Parlament verlangt damit, dass grosse Tech-Konzerne wie Meta, Google und Apple einen „fairen Beitrag" leisten. Weitere geplante Einnahmequellen sind Abgaben auf Online-Glücksspiele, Kapitalgewinne aus Kryptowerten und eine CO2-Grenzausgleichserweiterung. Die Position markiert einen Konflikt mit der EU-Kommission, die eine Digitalsteuer Mitte 2025 aus ihrer Haushaltsvorschlagsliste gestrichen hatte.
Personen
- Ursula von der Leyen (EU-Kommissionspräsidentin; Verhandlungen mit Trump)
- Donald Trump (US-Präsident; Zolldrohungen)
- Krzysztof Gawkowski (Polnischer Digitalminister)
Themen
- EU-Haushalt 2028–2034
- Digitalsteuer und Big-Tech-Besteuerung
- EU-US-Handelskonflikt
- Eigenmittelreform
- Budgetfinanzierung
Clarus Lead
Die parlamentarische Forderung nach einer Digitalsteuer erfolgt vor dem Hintergrund gescheiterter Kompromisse: Die Kommission hatte das Vorhaben Mitte 2025 fallen gelassen, um Zollkonflikte mit den USA zu vermeiden – doch Trumps jüngste Ankündigung, Zölle auf EU-Autos auf 25 Prozent zu erhöhen, zerstört das mühsam ausgehandelte Rahmenabkommen (Juli 2025: 15-Prozent-Obergrenze). Damit verliert die diplomatische Kapitulation der Kommission ihre Grundlage, und einzelne Mitgliedstaaten – Polen und Frankreich – preschen bereits mit nationalen Digitalsteuern vor. Das Parlament nutzt diese Lage, um eine europäische Antwort zu prägen: Eine koordinierte Digitalsteuer würde nicht nur die Haushaltsfinanzierungslücke schliessen, sondern auch das Image eines handlungsfähigen Europas stärken – und den USA ein stärkeres Verhandlungsmandat signalisieren.
Detaillierte Zusammenfassung
Das EU-Parlament kritisiert den bisherigen Haushaltsansatz der Kommission als faktischen Investitionsstopp. Das Problem liegt in der geplanten Rückzahlung von Corona-Aufbaufonds-Schulden innerhalb regulärer Haushaltsobergrenzen, was für Zukunftsprojekte keinen Spielraum lässt. Das Parlament fordert daher, dass Schuldenverwaltung ausserhalb normaler Haushaltshürden erfolgt, und schlägt ein um 10 Prozent höheres Volumen vor.
Die Begründung für eine Digitalsteuer liegt im Argument der Steuergerechtigkeit: Grosse Tech-Konzerne fahren erhebliche Gewinne ein, deren Geschäftsmodelle aber oft mit gesellschaftlichen Verwerfungen einhergehen – etwa Datenmissbrauch oder Monopolbildung. Parallel geniessen diese Unternehmen steuerliche Privilegien, von denen der Mittelstand nicht profitiert. Die Grünen im Parlament argumentieren, dass dies politisch nicht mehr vermittelbar sei.
Der transatlantische Kontext zeigt eine Eskalationsdynamik: Im Juli 2025 hatte von der Leyen und Trump ein Rahmenabkommen ausgehandelt (15-Prozent-Zollobergrenze auf EU-Waren, Marktzugang für US-Agrarprodukte). Die Kommission strich daraufhin die Digitalsteuer aus ihren Vorschlägen. Doch Trump kündigte Anfang 2025 an, Zölle auf Auto- und Lastwagenimporte auf 25 Prozent zu erhöhen – Verstösse gegen das Abkommen. Einzelne EU-Staaten handeln bereits unilateral: Polen kündigte an, Umsätze grosser Tech-Unternehmen zu besteuern, Frankreich erhöhte die nationale Digitalsteuer von 3 auf 15 Prozent.
Das Parlament lehnt überdies ein von der Kommission vorgeschlagenes Modell „ein Plan pro Mitgliedstaat" ab, da dies zu Renationalisierung, Transparenzverlust und schädlichem Wettbewerb führe. Stattdessen setzt es auf bewährte, modernisierte sektorale Gemeinschaftspolitiken.
Kernaussagen
- Das EU-Parlament fordert eine dezidierte Digitalsteuer, um 60 Milliarden Euro jährlich für den EU-Haushalt 2028–2034 zu generieren
- Der Parlamentsbeschluss erfolgt als Reaktion auf gescheiterte US-Verhandlungen: Trumps Zollerhöhungen zerstören die Grundlage für Kommissions-Zugeständnisse
- Einzelne Mitgliedstaaten (Polen, Frankreich) führen nationale Digitalsteuern ein – ein Signal für europäische Fragmentierung ohne koordinierte Lösung
- Das Parlament lehnt dezentralisierte Haushaltsmodelle ab und fordert supranationale Strukturen zur Sicherung des europäischen Mehrwerts
Kritische Fragen
Evidenz (Einnahmequellen): Auf welchen empirischen Daten basiert die Prognose von 60 Milliarden Euro jährlich aus einer EU-Digitalsteuer? Welche Steuersätze und Besteuerungsgrundlagen wurden kalkuliert, und wie realistisch sind diese angesichts von Steuervermeidungsstrategien multinationaler Konzerne?
Interessenkonflikte (Parlamentarische Position): Welche Interessengruppen haben die parlamentarische Forderung nach Digitalsteuer aktiv beeinflusst – etwa europäische Mittelständler, nationale Digitalminister oder die Grünen-Fraktion? Inwieweit spiegelt die Position nationale Divergenzen wider?
Kausalität (Transatlantischer Kontext): Ist die parlamentarische Forderung eine echte politische Neupositionierung oder eine Reaktion auf Trumps Zolldrohungen? Hätte das Parlament ohne Zollkonflikt eine schwächere Forderung gestellt?
Umsetzbarkeit (Mitgliedstaats-Widerstand): Welche Mitgliedstaaten könnten sich einer EU-weiten Digitalsteuer widersetzen, insbesondere solche mit starken Tech-Lobbys (z. B. Irland als Apple-Steuersitz)? Können Einstimmigkeit oder Qualifizierte Mehrheit erreichbar sein?
Nebeneffekte (Compliance): Wie würde eine 60-Milliarden-Steuer auf Big Tech die Marktkonkurrenz beeinflussen – etwa für europäische Startups oder für US-Investitionen in der EU?
Datenqualität (Kommissions-Entscheidung): Auf welche geheimen Verhandlungsergebnisse mit den USA bezog sich die Kommissions-Entscheidung Mitte 2025, die Digitalsteuer zu streichen? Waren diese Zusicherungen schriftlich fixiert?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Digitalsteuer im Blick: EU-Parlament fordert Milliarden-Abgabe für Big Tech – heise online
Verifizierungsstatus: ✓ 2025
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news