Kurzfassung

Der ETH-Rat hat an seiner Sitzung vom 20./21. Mai 2026 insgesamt 19 Professorinnen und Professoren neu ernannt sowie 7 Personen Titularprofessuren oder den Titel «Professor of Practice» verliehen. Gleichzeitig wurden 15 Rücktritte mit Verdankung zur Kenntnis genommen. Die Ernennungen betreffen Lehrstühle an der ETH Zürich und der EPFL in den Bereichen Physik, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Lebenswissenschaften und Management. In den zurückliegenden 12 Monaten lag der Frauenanteil bei Neuberufungen bei 48 % (25 Frauen, 27 Männer). Die Beschlüsse erfolgten auf Antrag von ETH-Zürich-Präsident Prof. Dr. Joël Mesot und EPFL-Präsidentin Prof. Dr. Anna Fontcuberta i Morral.

Personen

Themen

  • Hochschulpersonalpolitik ETH-Bereich
  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen
  • Nachhaltige Energiesysteme und Elektrokatalyse
  • Quantentechnologie und Spintronik
  • Computational Neuroscience
  • Umweltgeophysik und Klimaforschung
  • Teilchenbeschleuniger und Photonik

Clarus Lead

Der hohe Frauenanteil von 48 % bei Neuberufungen der vergangenen 12 Monate markiert einen strategischen Wendepunkt: Der ETH-Rat nähert sich der Geschlechterparität in der Professorenschaft – ein Ziel, das viele europäische Forschungsinstitutionen noch verfehlen. Gleichzeitig verdichten die Berufungen im Bereich maschinelles Lernen und KI-Systeme – mit mindestens fünf einschlägigen Lehrstühlen in einer einzigen Sitzungsrunde – das Bild einer gezielten Kompetenzkonzentration im globalen KI-Wettbewerb. Der Abgang von Nicola Marzari an die Cambridge University als zehnter Cavendish-Professor signalisiert zugleich, dass der ETH-Bereich trotz Stärke im internationalen Talentmarkt weiterhin Abwerbungsdruck ausgesetzt ist.


Detaillierte Zusammenfassung

Schwerpunkt KI und Datenwissenschaften: Gleich fünf Berufungen adressieren direkt KI-relevante Felder. Shivaram Venkataraman (University of Wisconsin-Madison) übernimmt einen Lehrstuhl für Informatik mit Fokus auf ressourceneffizientes Training von ML-Modellen und Cloud-Architekturen. Fan Yang wird zur ausserordentlichen Professorin für Informatik befördert; ihre Forschung zu Robustheit und theoretischen Garantien von ML-Modellen adressiert eine zentrale Schwachstelle heutiger KI-Systeme. Tu Ni (Harvard Business School) bringt experimentelle Methoden aus dem operativen Management in den Kontext von Data Science und untersucht Vertrauen in KI-Entscheidungsprozesse. Nicolas Flammarion erhält eine ausserordentliche Professur an der EPFL mit dem Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für sicherere und effizientere KI-Sprachmodelle zu schaffen. Mathieu Salzmann erhält eine Titularprofessur; als Deputy Chief Data Scientist am Swiss Data Science Center verbindet er EPFL, ETH Zürich und PSI institutionell.

Energie, Nachhaltigkeit und Materialwissenschaften: Maria Lukatskaya wird zur ausserordentlichen Professorin für Elektrochemische Energiesysteme befördert. Ihr multidisziplinärer Ansatz verbindet Elektrolyt- und Elektrodenforschung mit CO₂-Abscheidung. Nicolas Noiray steigt zum ordentlichen Professor für Verbrennung, Akustik und Strömungsphysik auf; seine Arbeit zu Wasserstoffbrennern und thermoakustischen Instabilitäten hat die ETH Zürich als führend in der Wasserstoffverbrennungsforschung positioniert. Raffaella Buonsanti (EPFL Valais Wallis) wird ordentliche Professorin für Chemieingenieurwesen; ihre Nanokristall-Synthesen für Elektrokatalyse wurden mit zwei ERC-Grants ausgezeichnet. Benjamin Peherstorfer (New York University) übernimmt einen Lehrstuhl für Computer- und angewandte Mathematik an der EPFL mit Anwendungen in Raumfahrtantrieb, Plasmaphysik und Waldbrandmodellierung.

Neurowissenschaften, Biomedizin und Grundlagenforschung: Alexander Mathis und Mackenzie Mathis werden beide zu ausserordentlichen Professorinnen und Professoren für Life Sciences befördert. Beide sind Mitentwickler von DeepLabCut, einer Open-Source-Software zur markerlosen Bewegungsanalyse von Tieren; Mackenzie Mathis entwickelte zusätzlich den Algorithmus CEBRA zur Verknüpfung neuronaler Aktivität mit Verhalten. Stephen Quake (Stanford University) – 2020 bereits mit dem ETH-Ehrendoktor ausgezeichnet – erhält einen Lehrstuhl für Biophysik und Biomedizinisches Engineering; er gilt als Pionier der pränatalen Molekulardiagnostik und erstellte die erste Genomsequenz einer einzelnen menschlichen Zelle.

Abgänge und Ruhestandsversetzungen: Unter den 15 scheidenden Professorinnen und Professoren sticht Nicola Marzari hervor, der als zehnter Cavendish-Professor nach Cambridge wechselt – in eine Reihe mit J. C. Maxwell, J. J. Thomson und E. Rutherford. Jérôme Faist tritt nach der Begründung der Quantenkaskadenlaser-Forschung und 35 Patenten in den Ruhestand. David Basin hinterlässt mit dem Tamarin Prover ein weitverbreitetes Werkzeug der Cybersicherheit und sieben Patente.


Kernaussagen

  • Der ETH-Rat hat in einer einzigen Sitzung 19 Professuren besetzt und 7 Titel verliehen; der 12-Monats-Frauenanteil bei Neuberufungen beträgt 48 %.
  • Mindestens fünf Berufungen zielen direkt auf KI, maschinelles Lernen und Datenwissenschaften – ein klares strategisches Signal beider Institutionen.
  • Der Wechsel von Nicola Marzari als Cavendish-Professor nach Cambridge illustriert den anhaltenden internationalen Wettbewerb um Spitzenforschende.
  • Mehrere Berufungen verbinden grundlagenorientierte Forschung mit industrienahen Anwendungen, etwa in Elektromobilität, Wasserstoffverbrennung und implantierbarer Medizintechnik.
  • Die Kooperationsprofessuren mit PSI, Empa und MeteoSchweiz stärken die institutionelle Vernetzung des ETH-Bereichs mit nationalen Forschungsinfrastrukturen.

Kritische Fragen

  1. (Evidenz/Datenqualität) Der Frauenanteil von 48 % bezieht sich auf einen 12-Monats-Zeitraum – inwiefern ist dieser Wert repräsentativ für strukturelle Veränderungen, oder handelt es sich um eine Momentaufnahme mit hoher Schwankungsbreite?
  2. (Quellenvalidität) Die Pressemitteilung stammt vom ETH-Rat selbst. Welche unabhängigen Quellen bestätigen die angegebenen Forschungsleistungen und Auszeichnungen der berufenen Personen?
  3. (Interessenkonflikte/Unabhängigkeit) Mehrere Berufungen erfolgen als interne Beförderungen (z. B. Lukatskaya, Noiray, Coletti, Yang). Welche externen Evaluationsverfahren sichern die Unabhängigkeit solcher Entscheide?
  4. (Interessenkonflikte/Anreize) Einige berufene Personen halten Patente oder sind in Spin-offs involviert. Wie regelt der ETH-Bereich potenzielle Interessenkonflikte zwischen akademischer Forschung und kommerziellen Aktivitäten?
  5. (Kausalität/Alternativen) Die Häufung von KI-Berufungen wird als strategische Entscheidung dargestellt. Welche alternativen Erklärungen – etwa Verfügbarkeit von Kandidierenden oder Drittmitteldruck – könnten die Verteilung der Lehrstühle erklären?
  6. (Gegenhypothesen) Der Abgang mehrerer renommierter Forschender (Marzari, Faist, Basin) könnte auf strukturelle Attraktivitätsprobleme hinweisen. Wird dieser Aspekt in der Kommunikation des ETH-Rats angemessen reflektiert?
  7. (Umsetzbarkeit/Risiken) Mehrere Berufungen basieren auf Kooperationsprofessuren mit externen Institutionen (PSI, Empa, MeteoSchweiz). Welche Risiken entstehen bei institutionellen Interessendifferenzen oder Budgetkürzungen bei den Partnerorganisationen?
  8. (Nebenwirkungen) Die Konzentration von Ressourcen auf KI und Datenwissenschaften – sichtbar in mindestens fünf Berufungen – könnte andere Disziplinen strukturell benachteiligen. Wie begegnet der ETH-Rat diesem Ungleichgewicht?

Quellenverzeichnis

Primärquelle: ETH-Rat: Professorinnen und Professoren Mai 2026 – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/zjyowJECuGkblhupmGZs5

Ergänzende Quellen: keine angegeben

Verifizierungsstatus: ✓ 22.05.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 22.05.2026