Kurzfassung
Die Wirtschaftskommission des Ständerats hat die Beratung zur Eigenkapitalausstattung der UBS vertagt und will «Varianten und Alternativen» zur bundesrätlichen Vorlage prüfen. Die Kommission tagt erst Mitte August wieder zum Thema, sodass es frühestens in der Herbstsession in die kleine Kammer kommen könnte. Parallel plant die UBS, ab Ende 2027 in den USA Privat- und Sparkonten sowie Kreditvergabe anzubieten. Eine empirische Studie des Basler Wirtschaftsprofessors Peter Kugler zeigt, dass grössere Bilanzen bei Schweizer Grossbanken statistisch signifikant mit niedrigeren Gewinnen einhergehen.
Personen
- Peter Kugler (Basler Wirtschaftsprofessor; Bankdatenanalyse)
- Valentin Ade (Autor; Ressortleiter Meinungen)
Themen
- Eigenkapitalregulierung Grossbanken
- UBS-Expansion USA
- Finanzstabilität und Steuerzahler
- Lobbyeinfluss Parlament
Clarus Lead
Die Verzögerung ist strategisch: Indem der Ständerat die Eigenkapitalverschärfung auf Herbst vertagt, gibt er der Banklobby einen ganzen Sommer, um die Parlamentarier zu beeinflussen. Gleichzeitig plant die UBS konkrete internationale Expansion in den USA – mit Kreditgeschäft, das die Bilanz aufbläht. Neue Forschungsdaten zeigen jedoch, dass dieses Wachstumsmodell die Rentabilität belastet und härtere Eigenkapitalregeln zwingend erforderlich macht, nicht optional. Die Paradoxie: Während der Ständerat die Eigenkapitalanforderungen verwässert, will er gleichzeitig den Public Liquidity Backstop (staatliche Notfallhilfe) gesetzlich verankern – faktisch eine versteckte Subvention durch den Steuerzahler.
Detaillierte Zusammenfassung
Peter Kuglers empirische Analyse von Bankdaten aus 1987 bis 2024 belegt ein hartes Faktengerüst: Bei Schweizer Grossbanken besteht eine statistisch signifikante negative Korrelation zwischen Bilanzgrösse und Rentabilität. Kuglers Schlussfolgerung lautet unmissverständlich: «Ihre Gewinne schwanken stark, folgen aber langfristig keinem Wachstumspfad.» Die aggressive Wachstumspolitik habe die Profitabilität in der Vergangenheit «massiv verringert» – eine Erkenntnis, die das klassische Expansion-um-jeden-Preis-Modell fundamental infrage stellt.
Die UBS-USA-Expansion illustriert diesen Risikomechanismus konkret. Mit Einlagengeschäft und Kreditvergabe an reiche Amerikaner vergrössert die US-Tochter ihre Bilanz und erhöht damit das Risiko. Solange diese Expansion nicht mit 100% CET1-Eigenkapital (hartem Kernkapital) unterlegt ist, trägt faktisch der Schweizer Steuerzahler die Ausfallrisiken aus fremden Landen. Der Bundesrat hatte bereits einen «moderaten Kompromissvorschlag» vorgelegt – die 100%-CET1-Unterlegung für Auslandtöchter. Doch die Kommission öffnet nunmehr die Tür für AT1-Anleihen, ein umstrittenes Instrument mit niedriger Risikobelegung.
Die parallele Ankündigung zur Wiederaufnahme des Public Liquidity Backstop verstärkt die Perversität: Während das Parlament von UBS kein zusätzliches eigenes Risiko verlangt, soll der Steuerzahler über ein gesetzlich verankertes Sicherheitsnetz dauerhaft haften – ein klassisches «Privatgewinne, Verluste sozialisieren»-Muster. UBS soll den PLB zwar abgelten, doch die strukturelle Abhängigkeit bleibt. Die Sommermonate werden entscheidend: Die Banklobby hat nun Zeit, «Alternativen» schmackhaft zu machen, die in Wahrheit Risiken auf die Allgemeinheit abwälzen.
Kernaussagen
- Ständerat verschiebt Eigenkapitalbeschluss bis Herbst und schafft Raum für Lobbying über den Sommer
- UBS plant Kreditgeschäft in USA ab 2027, das Bilanzrisiko ohne erhöhte Eigenkapitalanforderungen ausweitet
- Empirische Studie: Grössere Bilanzen korrelieren bei Schweizer Grossbanken mit niedrigeren Gewinnen – hartes Eigenkapital ist notwendig, nicht optional
- Steuerzahler würde faktisch die internationale Expansion absichern, während Ständerat zeitgleich staatliche Notfallhilfe (PLB) verankert
Kritische Fragen
Evidenz/Datenqualität: Kuglers Studie umfasst 1987–2024 – deckt diese Zeitspanne strukturelle Veränderungen der Bankregulation ab (Basel I–III), die die Aussagekraft für aktuelle Regelwerke schwächen könnte?
Datenqualität: Sind die ermittelten Korrelationen (grössere Bilanzen = niedrigere Gewinne) kausal oder korrelativ? Könnte z. B. Marktvolatilität oder Zinssätze statt Bilanzgrösse das Rentabilitätsrisiko bestimmen?
Interessenskonflikte: Welche finanzielle oder lobbypolitische Unterstützung hat die UBS der Wirtschaftskommission oder einzelnen Ständeräten zukommen lassen?
Umsetzbarkeit CET1-Regeln: Wie würde die 100%-CET1-Unterlegung für die USA-Tochter die Wettbewerbsfähigkeit der UBS im US-Markt konkret verändern – und welche Ausweichbewegungen sind zu erwarten?
Alternative: AT1-Anleihen: Was ist die empirische Ausfallquote von AT1-Instrumenten in Bankenkrise? Sind sie tatsächlich «umstritten» oder wissenschaftlich akzeptiert?
Kausalität Wachstum–Risiko: Kugler zeigt Korrelation, nicht dass Auslandwachstum zwingend zu Rentabilitätsverlust führt – könnte ein gut verwaltetes US-Geschäft rentabel sein?
Umsetzungsrisiko PLB: Wie würde eine gesetzliche PLB-Verankerung die Moral Hazard verstärken – d.h. ermutigt sie UBS zu grösserem Risiko, weil Rettung garantiert ist?
Sommerverzögerung: Gibt es evidenzbasierte Gründe für die Vertäufung bis Mitte August, oder ist sie rein strategisch zur Lobbyverschaffung?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Eigenkapitaldebatte – Ständerat gibt UBS den ganzen Sommer Zeit zum Verwässern – Finanz und Wirtschaft, Valentin Ade, 05.05.2026
Verifizierungsstatus: ✓ 05.05.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 05.05.2026