Kurzfassung

Der Bundesrat hat am 22. April 2026 strengere Kapitalvorschriften für systemrelevante Banken beschlossen. Die UBS soll 100 % Eigenkapitalunterlegung für ausländische Tochtergesellschaften vorweisen und zusätzlich etwa 20 Milliarden Dollar Eigenkapital aufbauen. Marcel Rohner, Präsident der Schweizerischen Bankenvereinigung und ehemaliger UBS-Chef, kritisiert die Regulierung in einem SRF-Tagesgespräch als unausgewogen. Er warnt vor Kreditve­rknappung, höheren Kreditkosten in der Schweiz und einer möglichen Standortverlagerung der UBS. Der Bundesrat sieht die Massnahmen als notwendig an, um systemische Stabilität zu erreichen und den Steuerzahler zu schützen.

Personen

Themen

  • Bankenregulierung Schweiz
  • Systemrelevante Banken
  • Eigenkapitalvorschriften
  • UBS-Krise 2023
  • Finanzmarkt-Stabilität

Clarus Lead

Rohners Aussage zur möglichen UBS-Standortverlagerung markiert eine Eskalation der Bankensektor-Debatte. Während der Bundesrat die Regulierung als moderaten Kompromiss rahmt, deutet Rohner an, dass zu strikte Schweizer Vorschriften die UBS zu einer Flucht ins Ausland zwingen könnten – ein Szenario, das in bisherigen Interviews als ausgeschlossen galt. Die Spannung offenbart einen Konflikt zwischen Systemstabilität und internationaler Wettbewerbsfähigkeit: Der Staat will Too-Big-To-Fail durch höhere Kapitalpolster verhindern; die Bankenwelt argumentiert, dass übermässige Schweizer Anforderungen das Kreditgeschäft in der Schweiz verteuern und Investitionen bremsen könnten.


Detaillierte Zusammenfassung

Regulierungspaket und Kritik an der Umsetzung

Rohner räumt ein, dass Kapitalverschärfungen grundsätzlich zur Systemstabilität beitragen. Er kritisiert aber die praktische Umsetzung als einseitig. Der Bundesrat konzentriere sich zu stark auf die Eigenmittelquote und ignoriere andere zentrale Säulen: Liquiditätsversorgung durch die Nationalbank, Frühinterventionsmechanismen und geordnete Konkursabwicklung. Rohner betont, dass echte Stabilität nicht allein durch höhere Kapitalpolster erreicht wird, sondern durch ein integriertes Regulierungssystem, das im Krisenfall eine kontrollierte Insolvenz der UBS ermöglicht – ohne Steuerzahler-Rettung.

Unterschiedliche Bilanzrealitäten

Ein zentraler Punkt: Rohner widerlegt die Vergleichbarkeit mit der Finanzkrise 2008. Die damalige kombinierte CS-UBS-Bilanz sei doppelt so gross gewesen wie die heutige UBS allein. Entscheidend aber sei die Zusammensetzung der Bilanz. Das internationale Investmentbanking benötige heute nur noch etwa 30 % der Bilanzsumme – eine Folge der Post-2008-Regulierungen. Der Löwenanteil seien Hypotheken und Lombardkredite gegen Wertschriften in der Schweiz, beides risikoarme Geschäfte. Eine blosse Gegenüberstellung von Bankenbilanz-Grösse zur Schweizer Volkswirtschaft blende diese Risiko­struktur aus.

Konkrete Folgen für Kundinnen und Kunden

Rohner warnt vor schleichender Kreditverknappung. Die UBS kontrolliere etwa 20–25 % des Schweizer Kreditmarkts. Wenn sie 20 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital aufbaut, stehen diese Mittel nicht mehr für neue Kredite zur Verfügung. Zwar könne die UBS theoretisch Kreditzinsen erhöhen – doch der Hypothekenmarkt sei hochkompetitiv. Statt Preiserhöhungen drohe eine Verknappung bestimmter Produkte (etwa Entwicklungskredite für Bauprojekte). Die Bank müsse sich auf höher­marg­ige Geschäfte konzentrieren, um rentabel zu bleiben – ein klassisches Selektions­verhalten bei Kapitalengpässen.

Standortverlagerung als reales Risiko

Rohner präzisiert hier gegenüber früheren Statements: Ein UBS-Verwaltungsrat sei den Aktionären rechenschaftspflichtig. Entstehe eine „grosse regulatorische Differenz" zwischen Schweiz und Ausland, müsse der Verwaltungsrat Alternativen prüfen. Rohner nennt konkret internationale Finanzplätze, ohne sie zu benennen. Er stellt klar: Dies sei keine Drohung, sondern „faktische Darstellung", wie ein globaler Konzern auf solche Signals reagiert. Gleichzeitig warnt er, dass ausländische Konkurrenten die UBS mit weicheren Auflagen übernehmen könnten.

Post-Finanzkrise-Bilanz

Rohner räumt ein, dass die Regulierungsverschärfung nach 2008 positiv wirkte. Die UBS sei heute fundamental konservativer positioniert als damals. Für die CS-Krise 2023 seien aber andere Faktoren verantwortlich gewesen – Behördenberichte hätten diese detailliert dokumentiert. Seine Botschaft: Nicht jede Bankenkrise ist ein Kapitalquotenproblem. Massnahmen bei Bewertungen, Managementverantwortung und Frühintervention seien ebenso essentiell.


Kernaussagen

  • Der Bundesrat fordert 100 % Eigenkapitalunterlegung für UBS-Auslandstöchter und zusätzlich etwa 20 Milliarden Dollar Eigenkapital – Rohner sieht dies als unverhältnismässig an
  • Liquidität, Frühintervention und geordnete Konkursregeln seien wichtiger als reine Kapitalquoten zur Erreichung von Systemstabilität
  • Die heutige UBS-Bilanz enthalte deutlich weniger Investmentbanking-Risiken als 2008; eine reine Grössenvergleich sei irreführend
  • Kreditmarkt droht Verknappung: 20–25 % des Schweizer Markts könnten betroffen sein; Entwicklungskredite würden schwieriger
  • Standortverlagerung ist realistisches Szenario, falls regulatorische Differenzen zu gross werden – Rohner signalisiert hier eine Eskalation gegenüber früheren Aussagen

Weitere Meldungen

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Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Rohner behauptet, Investmentbanking benötige nur noch „rund 30 %" der UBS-Bilanz. Welche Datenouelle (Geschäftsbericht, SNB-Statistik) belegt diese Ziffer konkret, und deckt sie auch die Leverage-Exposure ab?

  2. Interessenkonflikte: Rohner war selbst UBS-CEO während der 2008er-Krise und erhielt eine staatliche Rettung. Wie wirkt sich diese Vergangenheit auf seine Glaubwürdigkeit aus, wenn er jetzt vor zu strikten Regeln warnt?

  3. Kausalität – Kreditverknappung: Rohner warnt vor Kreditverknappung durch Eigenkapital­engpässe. Gibt es empirische Belege aus anderen Ländern (z. B. Schweiz 2008–2012, USA nach Dodd-Frank), dass höhere Kapitalquoten tatsächlich zu weniger Kreditvergabe führten?

  4. Alternativen – „Moderater Kompromiss": Der Bundesrat nennt sein Paket einen „moderaten Kompromiss". Zu welchen konkreten Punkten (Liquidität, Frühintervention, Konkursrecht) hat der Bundesrat Rohners Kritik bereits eingepflanzt oder nicht?

  5. Umsetzbarkeit – Standortverlagerung: Rohner deutet an, dass die UBS ins Ausland gehen könnte. Welche regulatorischen und operativen Hürden (CHF-Refinanzierung, Schweizer Hypothekenportfolio, SNB-Zugang) würden eine echte Relokation praktisch blockieren?

  6. Nebenwirkungen – Marktkonzentration: Wenn die UBS schrumpft oder wegzieht, konzentriert sich das Schweizer Bankenwesen weiter auf kleinere Institute. Wie wirkt sich das auf die Resilienz des Finanzplatzes aus?

  7. Vergleichbarkeit: Rohner verweist auf post-2008-Regulierungen als Beweis, dass strengere Regeln wirken. Wurden diese Regeln aber unter ähnlich hohem Wettbewerbsdruck (internationale Standortalternativen) eingeführt wie heute?

  8. Redaktionelle Rahmen: Das SRF-Interview rahmt die Frage nach Standortverlagerung mehrfach provokativ. Inwiefern könnte diese Fragestellung Rohners Aussagen in Richtung „Drohung" verstärkt haben, statt sie neutral zu erfassen?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: [SRF Tagesgespräch: „Bankenregulierung – Wie krisenfester sollen Grossbanken sein?"] – https://download-media.srf.ch/world/audio/Tagesgespraech_radio/2026/04/Tagesgespraech_radio_AUDI20260423_NR_0013_022afd0f145e46148f0ce3e5b00274b1.mp3

Ergänzende Quellen:

  1. Bundesrat (2026-04-22): Mitteilung zu Eigenmittelverordnung und Regulierungspaket für systemrelevante Banken
  2. SNB (2023–2026): Jahresberichte zu Liquiditätsmassnahmen und Bankaufsicht

Verifizierungsstatus: ✓ 2026-04-23


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 2026-04-23