Kurzfassung
Der Bundesrat hat am 15. April 2026 die Abschreibung der FDP-Motion 20.4063 zur schweizweiten Untergrundserkundung beantragt. Die Motion forderte ein nationales Prospektionsprogramm zur geologischen Kartierung mit Kosten von mindestens 100 Millionen Franken. Obwohl der Bundesrat die Motion ursprünglich zur Annahme empfohlen hatte, fehlen die erforderlichen Finanzmittel im angespannten Bundeshaushalt. Die bereits begonnenen Arbeiten zu einem geologischen Prospektionskonzept sollen mit bestehenden Mitteln bis Ende 2026 abgeschlossen werden. National- und Ständerat treffen die abschliessende Entscheidung über die Abschreibung.
Personen
- FDP-Liberale Fraktion (Motionär)
Themen
- Untergrundserkundung
- Geothermie und Energiewende
- CO₂-Speicherung
- Bundeshaushalt und Finanzierung
- Geologische Prospektion
Clarus Lead
Die Ablehnung signalisiert einen Konflikt zwischen klimapolitischen Ambitionen und fiskalischen Realitäten. Während der Bund Geothermie und CO₂-Speicherung als zentrale Dekarbonisierungsinstrumente einstuft, werden umfassende Erkundungsinvestitionen dem Entlastungspaket 2027 untergeordnet. Dies könnte Innovationen im Bereich unterirdischer Ressourcennutzung verzögern – ein kritischer Punkt für die Schweizer Energiewende nach 2030.
Detaillierte Zusammenfassung
Die Motion 20.4063 zielte darauf, das Wissen über den geologischen Untergrund systematisch zu erweitern. Das Erkenntnisinteresse war mehrdimensional: Ressourcengewinnung (Geothermie, Strom, Mineralien), Speicherung (Wärme, Kälte, CO₂) und Infrastrukturverlagerung (beispielsweise unterirdischer Verkehr). Ein interdisziplinäres Team aus Industrie und Wissenschaft erarbeitete daraufhin ein nationales geologisches Prospektionskonzept mit detaillierter Kostenschätzung.
Die Kostenanalyse ergab ein zentrales Problem: Selbst die Minimalvariante einer nationalen Prospektion würde über 100 Millionen Franken erfordern. Diese Summe übersteigt die verfügbaren Budgetspielräume erheblich und würde den Entlastungskurs des Bundes gefährden. Statt die Motion umzusetzen, wird das Prospektionskonzept als «wertvolle fachliche Planungsgrundlage» für private und halbprivate Akteure zur Verfügung gestellt.
Der Bundesrat sichert jedoch Kontinuität in Teilbereichen zu: Geothermie-Erkundungsprojekte werden weiterhin über bestehende Förderinstrumente des Energiegesetzes und CO₂-Gesetzes unterstützt. Für die geologische CO₂-Speicherung nach 2030 sind ein neues Rahmengesetz und eine CO₂-Gesetzrevision geplant – beide sollen verbesserte Bedingungen schaffen. Die Arbeiten am Prospektionskonzept selbst werden bis Ende 2026 mit internen Mitteln der Departemente UVEK und VBS abgeschlossen.
Kernaussagen
- Der Bundesrat lehnt die 100-Millionen-Franken-Motion ab, obwohl er sie ursprünglich unterstützte – aus Budgetgründen.
- Ein nationales Prospektionskonzept wird als Planungsinstrument dennoch fertiggestellt, aber ohne flächendeckende Umsetzung.
- Geothermie und CO₂-Speicherung bleiben prioritär, jedoch mit kleineren Fördermassnahmen statt Grossinvestitionen.
Kritische Fragen
Evidenz/Datenqualität: Basiert die Kostenschätzung von 100+ Millionen Franken auf Vergleichsprojekten im In- oder Ausland, oder handelt es sich um erstmalige Schätzungen ohne Benchmarks?
Interessenkonflikte: Welche Industrieakteure waren an der Prospektionskonzept-Erarbeitung beteiligt, und könnten ihre Interessen die Kostenschätzung nach oben verzerrt haben?
Kausalität/Alternativen: Hätte eine gestaffelte Umsetzung (regionale Pilotprojekte statt schweizweite Prospektion) die Kosten auf ein tragbares Niveau gesenkt?
Umsetzbarkeit/Risiken: Wie effektiv ist das fertiggestellte Prospektionskonzept ohne zentrale Koordination und Finanzierung für dezentrale Akteure nutzbar?
Timing: Verzögert die Abschreibung bis Ende 2026 kritische Erkenntnisse für die Energiewende nach 2030, insbesondere für CO₂-Speicherung?
Finanzierung: Können private oder kantonale Akteure die Untergrunderkundung teilweise finanzieren, um die Bundesmittel zu entlasten?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Bundesrat – Bericht zur Abschreibung Motion 20.4063 «Schluss mit der Blackbox. Klimaschutz, Energiesicherheit und Infrastrukturnutzung dank Erforschung des Untergrunds» – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/YLy_LtavFEHVN2-XM-Bd3
Verifizierungsstatus: ✓ 15.04.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 15.04.2026