Kurzfassung

Bundeskanzler Viktor Rossi sprach auf der Dreiländertagung der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW) in Bern am 30. März 2026 über künstliche Intelligenz und digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung. Er charakterisierte die KI-Entwicklung als technologische Beschleunigung, aber staatspolitische Evolution. Rossi betonte drei zentrale Punkte: staatliche Handlungsfähigkeit, Vertrauen als Voraussetzung, und die klare Abgrenzung von KI-Einsatzgrenzen. Die Schweiz unterzeichnete die KI-Konvention des Europarats und wird bis Ende 2026 eine entsprechende Gesetzesvorlage ausarbeiten. Die Bundesverwaltung verfolgt eine dreipfeilige KI-Strategie: Kompetenzaufbau, Vertrauenswürdigkeit und Effizienzsteigerung.

Personen

Themen

  • Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung
  • Digitale Transformation
  • Staatliche Handlungsfähigkeit und KI-Governance
  • Vertrauen und Transparenz in KI-Systemen

Clarus Lead

Die Rede adressiert ein wachsendes Spannungsfeld: Während KI-Technologien massiv an Leistung gewinnen, hinken Vertrauen und regulatorische Rahmenbedingungen hinterher. Rossi positioniert den Staat nicht als technischer Vorreiter, sondern als verantwortungsvoller Akteur, der KI gezielt als Effizienzwerkzeug nutzt – aber zentrale Funktionen wie politische Deliberation und Verantwortungsübernahme bewusst der menschlichen Entscheidung vorbehalten muss. Diese Botschaft richtet sich an alle drei deutschsprachigen Länder, die ähnliche regulatorische und organisatorische Herausforderungen bewältigen.

Detaillierte Zusammenfassung

Rossi strukturiert sein Argument um drei Kernfunktionen des modernen Staates: Verifikation (Feststellung von Fakten), Deliberation (Abwägung und Priorisierung) und Accountability (Verantwortungsübernahme). Diese dürften nicht durch KI ersetzt werden, auch wenn dies technisch möglich wäre. Das Beispiel der Bundeskanzlei zeigt die praktische Anwendung: KI-Sprachmodelle können parlamentarische Vorstösse automatisch analysieren und den zuständigen Departementen zuordnen – eine reine Textanalyseaufgabe. Die politische Entscheidung, welches Ministerium federführend wird, bleibt beim Menschen.

Die Schweiz nutzt bereits eigene KI-Infrastruktur. Das Projekt Apertus – entwickelt von EPF Lausanne, ETH Zürich und dem Swiss National Supercomputing Centre – schafft ein offenes, transparentes Sprachmodell mit vier Landessprachen und Open-Source-Trainingsdaten. Der Kanton Tessin nutzt eine spezialisierte Apertus-Version für sensible Dokumentenübersetzungen. Parallel setzen Unternehmen wie Roche, Novartis und Swiss International Airlines KI in Forschung, Entwicklung und Logistik ein.

Rossi warnt vor blindem KI-Einsatz. Ein Fallbeispiel aus Birmingham zeigt die Risiken: Ein KI-Tool (Copilot) halluzinierte Sicherheitsrisiken bei israelischen Fussballfans, basierend auf erfundenen Spielen. Deshalb gilt: KI unterstützt, ersetzt aber keine menschliche Prüfung. Die Bundesverwaltung lancierte 2025 eine KI-Strategie mit drei Pfeilern: (1) Kompetenzaufbau der Mitarbeitenden, (2) Vertrauenswürdigkeit durch ethische Standards und Rechtskonformität, (3) Effizienzgewinne durch Automatisierung von Routineaufgaben. Ein Kostenpunkt: Sprachsynthese für ein Video in drei Sprachen kostete 12 Dollar mit KI statt 2100 Franken mit menschlichen Sprechern – eine Einsparung, die aber auch Berufsbilder unter Druck setzt.

Kernaussagen

  • KI ist für den Staat eine Frage der Handlungsfähigkeit und Legitimität, nicht nur Technologie
  • Vertrauen ist Voraussetzung, nicht Begleiterscheinung für erfolgreichen KI-Einsatz in der Verwaltung
  • Der Staat muss KI als Hebel für Effizienz nutzen, darf aber Verifikation, Deliberation und Accountability nicht delegieren
  • Schweizer Eigenentwicklungen wie Apertus zeigen, dass auch kleinere Länder KI-Infrastruktur aufbauen können
  • Blinder KI-Einsatz führt zu Vertrauensverlust und faktischen Fehlentscheidungen; menschliche Prüfung bleibt zentral

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Wie validiert die Bundesverwaltung die Qualität von KI-Outputs in sensiblen Bereichen wie der Zuteilung parlamentarischer Vorstösse? Welche Fehlerkennzahlen sind akzeptabel?

  2. Interessenkonflikte: Wenn Mitarbeitende durch KI-Automatisierung Zeit sparen, besteht ein Anreiz, weniger kritisch zu prüfen. Wie werden Kontrollmechanismen institutionalisiert, um Routinisierungsrisiken zu minimieren?

  3. Kausalität/Alternativen: Rossi behauptet, Vertrauen sei Voraussetzung für KI-Adoption. Gibt es Gegenbeispiele, wo KI trotz niedriger Vertrauenswerte erfolgreich eingeführt wurde – und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

  4. Umsetzbarkeit: Die KI-Strategie der Bundesverwaltung listet über 100 Projekte. Wie wird sichergestellt, dass die Koordination durch die Bundeskanzlei nicht zur Parallelstruktur wird und echte Departements-Integration schafft?

  5. Nebenwirkungen: Rossi erwähnt, dass günstigere Prozesse bestehende Aufträge unter Druck setzen. Wie plant der Bund, betroffene Berufsgruppen (z. B. Übersetzer, Sprachkünstler) zu unterstützen oder umzuschulen?

  6. Grenzen der Transparenz: Das Apertus-Modell ist Open Source, aber ist die Entscheidungslogik in Verwaltungsanwendungen für Bürger nachvollziehbar? Wer trägt Verantwortung bei Fehlern?

  7. Europarats-Konvention: Die Schweiz unterzeichnete die KI-Konvention des Europarats. Wie unterscheidet sich die geplante Gesetzesvorlage (bis Ende 2026) vom EU-AI-Act, und welche Wettbewerbsnachteile entstehen durch unterschiedliche Standards?

  8. Rollenklarheit: Rossi sagt, dass Verwaltung vom Abwägen und Widerspruch lebt. Wie verhindert die Bundeskanzlei, dass KI-Tools (z. B. bei Dokumentenanalyse) durch Schnelligkeit diese Deliberation unter Zeitdruck setzen?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Keynote des Bundeskanzlers Viktor Rossi zur Dreiländertagung der SGVW – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/JQP4nGhpFIktGGz-ztdLf

Verifizierungsstatus: ✓ 30.03.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 30.03.2026