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Sprache: Deutsch
Transcript ID: 29
Dateiname: 2278160-m-12d47bf5637cb1f63ff418631927c0ee.mp3
Original-URL: https://clarus.news/audio/29
Erstellungsdatum: 26.12.2025
Textlänge: 26.738 Zeichen

Personen

Organisationen

Themen

  • Atomwaffen und Schweizer Sicherheitspolitik
  • Militärfinanzierung und Rüstungsausgaben
  • Unternehmensverantwortung und Klimaklagen
  • Gender Studies und kulturelle Praktiken
  • EU-Sanktionen und Rechtsstaatlichkeit
  • Medienlandschaft und Ende von 20 Minuten Print

Kurzfassung

Der Podcast «Bern einfach» vom 23. Dezember 2025 behandelt zentrale politische und gesellschaftliche Themen in der Schweiz. Markus Somm und Dominik Feusel diskutieren eine linksgrüne Volksinitiative gegen Atomwaffen, schlagen aber überraschend vor, dass die Schweiz selbst Atomwaffen entwickeln sollte, um Verteidigungskosten zu sparen. Weiterhin werden Finanzierungsvorschläge des FDP-Ständerats Josef Tittli zur Armee erörtert – insbesondere der Verkauf von Swisscom-Aktien und die temporäre Umleitung von Nationalbank-Gewinnen. Kritisiert wird zudem die Klage gegen Holcim durch indonesische Fischer sowie fragwürdige akademische Positionen zur Genitalverstümmelung. Ein besonderes Anliegen ist die EU-Sanktionierung des Schweizers Jacques Baud ohne rechtliches Gehör und die unzureichende Reaktion von Justizminister Beat Jans. Abschliessend wird das Ende der Printausgabe von «20 Minuten» als medienpolitischer Einschnitt gewürdigt.


Detaillierte Zusammenfassung

Atomwaffen und Schweizer Sicherheitspolitik

Die Moderatoren diskutieren eine Volksinitiative von linksgrünen Politikerinnen und Politikern, die den Schweizer Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag fordert. Sie charakterisieren diese Initiative als historisch überholt, da die Schweiz keine Atomwaffen entwickelt und keine Bedrohung durch einen Waffeneinsatz existiert. Paradoxerweise argumentieren die Hosts, dass die Schweiz aus Effizienzgründen selbst über ein bescheidenes Atomwaffenarsenal verfügen sollte – als kostengünstiger Abschreckungsmechanismus statt aufwendiger konventioneller Rüstung. Sie verweisen auf die «Friedensdividende» der letzten 80 Jahre, die durch atomare Abschreckung ermöglicht wurde.

Militärfinanzierung – Swisscom und Nationalbank

Josef Tittli, FDP-Ständerat des Kantons Uri, schlägt zwei konkrete Finanzierungsquellen für die Armeeaufrüstung vor:

  1. Verkauf der Swisscom-Aktien: Der Bund hält 51 % der Swisscom-Anteile. Ein Verkauf könnte etwa 5 Milliarden Franken generieren. Die Moderatoren sehen darin einen intelligenten Vorschlag zur Privatisierung eines Staatsunternehmens ohne strategische Bedeutung.

  2. Umleitung der Nationalbank-Gewinne: Eine zehnjährige Umleitung der Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank zur Armeeausstattung könnte zusätzlich 5 Milliarden bereitstellen. Dies würde auch den Druck auf die Kantone erhöhen, ihre Ausgaben zu disziplinieren.

Die Moderatoren kritisieren, dass die Kantone sich an regelmässige Nationalbank-Gewinne gewöhnt haben und gleichzeitig wenig Sparanstrengungen unternehmen. Sie argumentieren für diese Finanzierungsmechanismen als Alternative zu Mehrwertsteuererhöhungen.

Holcim-Klage und Klimaverantwortung

Das Zuger Kantonsgericht lässt eine Klage von vier indonesischen Fischern gegen den Zementkonzern Holcim zu. Die Kläger fordern Schadensersatz, da Holcim zu den weltweit 50 grössten CO₂-Emittenten gehört und angeblich für Küstenerosion auf der Insel Pari verantwortlich ist.

Die Moderatoren kritisieren diesen Beschluss scharf als:

  • Juristisch fragwürdig (kausalitätsbeweis zwischen Holcim-Emissionen und lokalem Küstenschaden)
  • Politisch problematisch (Verlagerung von Klimapolitik in die Gerichte statt in demokratische Prozesse)
  • Ein Skandal der Kantonalrichter aus dem Hauptsitz-Kanton Zugs
  • Ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen einer angenommenen Konzernverantwortungsinitiative

Sie weisen zudem auf die Rolle von Schweizer NGOs hin, die diese Klage organisieren und finanzieren – teilweise mit Mitteln der steuerbefreiten «Hilfswerk der Evangelischen Kirche» (HEX).

Gender Studies und Genitalverstümmelung

25 Forschende – darunter zwei Schweizer Akademikerinnen von der Universität Lausanne – haben im renommierten British Medical Journal argumentiert, dass Kritik an weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) rassistisch und stigmatisierend sei. Sie vergleichen FGM mit westlichen kosmetischen Genitaloperationen und sehen darin kulturelle Äquivalente.

Die Moderatoren bezeichnen dies als inakzeptabel und verurteilen:

  • Die relativistische Gleichsetzung von FGM mit kosmetischen Eingriffen
  • Die Finanzierung durch Steuerzahler für ideologisch verzerrte Forschung
  • Den kulturellen Relativismus als Form von linkem Anti-Westismus
  • Die fehlende kritische Haltung gegenüber reaktionären Praktiken aus Gründen des Antikolonialismus

Sie fordern einen kritischeren Blick auf die Forschungsfinanzierung durch den Schweizerischen Nationalfonds und plädieren für Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung (legitim) und ideologisch getriebener Sozialforschung (illegitim).

Jacques Baud und EU-Sanktionen

Der ehemalige Schweizer Oberst Jacques Baud wurde ohne Verfahren und ohne rechtliches Gehör auf die EU-Sanktionsliste gesetzt – per E-Mail – wegen angeblich pro-russischer Propaganda. Die Moderatoren kritisieren:

  • EU als Rechtsstaat fragwürdig: Die Europäische Union verletzt fundamentale rechtsstaatliche Prinzipien (Audi-alteram-partem-Prinzip, Gehörsrecht, Verfahren)
  • Verstoss gegen Meinungsfreiheit: Baud konnte sich nicht verteidigen
  • Heuchlerische EU-Politik: Während die EU Zensurvorwürfe (z. B. von J.D. Vance) empört zurückweist, setzt sie Büger ohne Verfahren auf Sanktionslisten
  • Unzureichende Schweizer Reaktion: Justizminister Beat Jans lachte die Frage weg statt sich für Grundrechte eines Schweizer Bürgers einzusetzen
  • Doppelstandards: Während pro-russische Statements sanktioniert werden, bleibt pro-palästinensische oder Hamas-nahe Propaganda vielerorts akzeptiert

Die Moderatoren sehen dies als Beleg für die zunehmend autoritäre Natur der EU.

20 Minuten – Ende einer Medien-Ära

Die Tageszeitung 20 Minuten stellt ihre Printausgabe zum 1. Januar 2026 ein – nach 26 Jahren. Die Moderatoren würdigen die historische Bedeutung:

  • Revolutionäre Geschäftsidee (1999): Kostenlose Zeitung finanziert durch Werbung statt Abonnements – revolutionär für die Zeit
  • Qualitätsmerkmale: Unideologische, ausgewogene, objektive Berichterstattung mit Fokus auf Fakten statt Kommentar
  • Kulturelle Bedeutung: 20 Minuten bot bürgerlichen Lesern ein Gegengewicht zu links-ideologischen Medien
  • Journalistische Standards: Das Blatt vermittelte handwerklichen Journalismus ohne ideologische Verzerrung

Die Online-Präsenz (20minuten.ch) wird fortgesetzt, aber die Printausgabe – Sinnbild einer Medienära – verschwindet. Dies ist Ausdruck des tiefgreifenden Medienwandels: Papier verliert gegen digitale Kanäle, Print-Werbung gegen Online-Werbung.


Kernaussagen

  • Atomwaffenpolitik ist ideologisch nicht rational: Die Initiative gegen Atomwaffen ignoriert, dass die Schweiz keine Bedrohung durch Atomwaffen darstellt, und die Moderatoren argumentieren kontraintuitiv, dass ein Schweizer Atomwaffenarsenal kostengünstiger wäre als herkömmliche Rüstung.

  • Militärfinanzierung ohne Steuererhöhung möglich: Verkauf von Swisscom-Aktien und temporäre Umleitung von Nationalbank-Gewinnen könnten 10 Milliarden für Rüstung bereitstellen – eine intelligent konstruierte Alternative zu Steuermehrungen.

  • Gerichtsbarkeit ersetzt illegitim Demokratie: Die Holcim-Klage zeigt einen gefährlichen Trend, Klimapolitik über Gerichte statt Parlamenten zu machen – mit fragwürdigen juristischen Grundlagen.

  • Akademische Ideologie wird mit Steuermitteln finanziert: Schweizer Universitäten beschäftigen Forschende, die kulturelle Praktiken wie Genitalverstümmelung relativieren – bezahlt von Steuerzahlern, ohne dass kritische Kontrolle erfolgt.

  • EU verletzt Rechtsstaatlichkeit: Die Sanktionierung von Jacques Baud ohne Verfahren widerlegt die Selbstdarstellung der EU als Rechtsstaat und wird von Schweizer Justizminister Jans skandalös ignoriert.

  • Medienvielfalt schrumpft: Das Ende von 20 Minuten Print bedeutet den Verlust einer wichtigen unideologischen Nachrichtenquelle, die breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu sachlicher Berichterstattung bot.

  • Podcast-Erfolg: Bern einfach erreicht über 500.000 Downloads monatlich – Beweis für grosses Publikumsinteresse an kritisch-unabhängigen Medienangeboten jenseits des Mainstreams.