Kurzfassung

Zwei Jahre nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS wird in der Schweiz intensiv über die richtige Bankenregulierung gestritten. Der Kommentar von Beatrice Bösiger kritisiert viele vorgeschlagene Massnahmen als wenig zielführend – insbesondere die wiederkehrende Forderung nach Aufspaltung der UBS durch Christoph Blocher. Die Autorin argumentiert, dass solche Massnahmen keine echte Lösung bieten, während wertvolle Zeit verstreicht und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes gefährdet wird.

Personen

Themen

  • Bankenregulierung und Finanzmarktaufsicht
  • UBS-Aufspaltungsforderungen
  • Credit Suisse Krise und deren Lehren
  • Schweizer Finanzplatz und internationale Wettbewerbsfähigkeit
  • Regulierungsmassnahmen und deren Effektivität

Detaillierte Zusammenfassung

Der Artikel analysiert die anhaltende Debatte zur Bankenregulierung in der Schweiz und kritisiert den Tenor dieser Diskussion. Beatrice Bösiger vergleicht die aktuelle Situation mit einer Fussballdiskussion, bei der viele mitreden, ohne fundiertes Wissen zu besitzen. Sie distinguiert zwischen sinnvollen und weniger sinnvollen Regulierungsvorschlägen.

Zu den sinnvollen Massnahmen zählt die Autorin internationale Konsensansätze wie die stärkere Überwachung von Top-Management durch die Finanzmarktaufsicht oder die schnellere Bereitstellung von Liquidität durch die Schweizerische Nationalbank in Krisenzeiten. Diese Punkte sind bereits in dem Massnahmenpaket enthalten, das Finanzministerin Karin Keller-Sutter im Sommer präsentiert hat.

Die Aufspaltung der UBS wird als klassisches Negativbeispiel erörtert. Der prominenteste Verfechter dieser Idee ist der SVP-Politiker Christoph Blocher, der die Bank in eine schweizerische und eine amerikanische Einheit aufteilen möchte. Das Konzept basiert auf der Annahme, dass eine kleinere Bank automatisch mit kleineren Risiken verbunden ist. Bösiger widerlegt diese Logik überzeugend: Die Credit Suisse erlitt ihre grössten Skandale (Archegos, Greensill) nicht in der riskanten Investmentbank, sondern in vermeintlich sicheren Sparten wie Vermögensverwaltung und Asset Management. Diese Fälle verursachten Milliardenverluste und zerstörten das Vertrauen in die Bank nachhaltig.

Die zentrale Botschaft ist, dass eine Aufspaltung ein blossem Placebo gleichkommt: Selbst eine kleinere, rein schweizerische UBS könnte in einer Krise zum Steuerzahler-Problem werden. Zudem stellt sich die Frage, welche Dienstleistungen eine so geschrumpfte Bank ihren vermögenden Kunden noch anbieten könnte. Sergio Ermotti, der UBS-Bankchef, lehnt eine Schrumpfung kategorisch ab.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft den Zeitverlust. Mehr als zwei Jahre nach dem Untergang der Credit Suisse ist die Bankenreform noch weit nicht abgeschlossen. Der anfängliche Elan ist verflogen. Zwar haben bürgerliche Parlamentarier einen Kompromissvorschlag lanciert, doch die Fronten zwischen Karin Keller-Sutter und der UBS bleiben verhärtet.

International wird genau beobachtet, wie die Schweiz ihren Finanzplatz positioniert. Colm Kelleher, UBS-Präsident, hat der Schweiz eine Identitätskrise hinsichtlich ihrer Rolle in der globalen Finanzindustrie vorgeworfen – zu viele unzielgerichtete Regulierungsvorschläge tragen dazu bei. Die «Financial Times» fragte diese Woche gar: «Verliert die Schweiz ihren Platz in der Welt?» Mit zunehmenden Deregulierungstrends in den USA und Grossbritannien braucht der Schweizer Finanzplatz dringend Rechtssicherheit und klare Signale.

Kernaussagen

  • Die meisten diskutierten Regulierungsvorschläge sind entweder bereits internationaler Konsens oder aber unwirksam – sie kosten wertvolle Zeit
  • Die Aufspaltung der UBS ist kein geeignetes Mittel zur Risikoreduktion; die grössten CS-Skandale ereigneten sich in «sicheren» Bereichen, nicht im Investmentbanking
  • Eine kleinere, schrumpfende UBS würde ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden und die Probleme nicht lösen
  • Der Steuerzahler müsste auch eine aufgespaltete UBS in Krisenzeiten retten
  • Der Schweizer Finanzplatz verliert international an Glaubwürdigkeit durch zu viele unzielgerichtete Debatten
  • Das Parlament muss rasch handeln und klare Regelwerke schaffen, bevor die Schweiz gegenüber deregulierenden Ländern wie USA und Grossbritannien weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert

Metadaten

Sprache: Deutsch
Publikationsdatum: 27. Dezember 2025
Quelle: Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
Original-URL: https://www.nzz.ch/meinung/geforderte-aufspaltung-der-ubs-die-schweiz-verliert-sich-auf-nebenschauplaetzen-ld.1917679
Autor: Beatrice Bösiger
Textart: Kommentar
Lesedauer: ca. 3 Minuten