Europäische Kommission – Verpflichtungszusagen Apple NFC
Analyse: WEKO-Vorabklärung zum NFC-Zugang auf Apple-Geräten
Bedeutung für Souveränität, internationaler Vergleich & Medienlage
1. Hintergrund: Was untersucht die WEKO?
Die schweizerische Wettbewerbskommission (WEKO) prüft seit dem 10. Dezember 2025, ob die Art und Weise, wie Apple den Zugang zur NFC- und Secure-Element-Plattform (NFC & SE) auf iOS-Geräten gewährt, kartellrechtlich problematisch ist.
Bis 2024 war der NFC-Zugang auf iPhones vollständig Apple-exklusiv. Seit Ende 2024 dürfen Schweizer Anbieter auf die NFC & SE-Plattform zugreifen – allerdings unter anderen Bedingungen als im EU/EWR-Raum.
Die Frage der WEKO lautet im Kern:
Ermöglichen die von Apple gesetzten Bedingungen einen wirksamen Wettbewerb zwischen Apple Pay und anderen Zahlungsanbietern?
2. Bedeutung im Kontext der digitalen & wirtschaftlichen Souveränität
2.1 Kontrolle über digitale Infrastruktur
NFC gehört zu den zentralen Infrastrukturen im Bereich Mobile Payment. Wenn ein einzelner globaler Anbieter (Apple) bestimmt:
- wer Zugang erhält,
- wie der Zugang technisch funktioniert,
- und zu welchen Bedingungen Apps teilnehmen können,
dann entsteht ein Hebel, der lokale Anbieter strukturell benachteiligen kann.
Souveränität bedeutet hier: → Staaten und lokale Unternehmen sollen nicht vollständig von den Entscheidungen eines einzelnen Plattformbetreibers abhängig sein.
2.2 Abhängigkeiten und Innovationsfähigkeit
Ein eingeschränkter oder diskriminierender Zugang führt zu:
- geringerer Innovation,
- weniger Wettbewerb,
- Abhängigkeit von proprietären Ökosystemen.
Offene Schnittstellen stärken dagegen:
- die nationale digitale Wertschöpfung,
- lokale Payment-Anbieter (z. B. TWINT),
- technische Souveränität.
3. Vergleich: Wie gehen andere Länder und Regionen damit um?
3.1 Europäische Union / EWR
Die EU-Kommission hat Apples freiwillige Verpflichtungen am 11. Juli 2024 bindend erklärt. Diese sichern:
- freien und kostenlosen NFC-Zugang für Drittanbieter,
- die Möglichkeit alternativer Standard-Wallets,
- faire Wettbewerbsbedingungen.
→ Die Rechtsgrundlage: EU-Kartellrecht + Digital Markets Act (DMA).
3.2 USA, Kanada, UK, Japan, Brasilien
Auch ausserhalb der EU öffnet Apple NFC-Zugänge – teilweise freiwillig, teilweise regulatorisch angeregt. Der Trend ist eindeutig: Druck steigt weltweit, proprietäre Einschränkungen abzubauen.
3.3 Deutschland
Deutschland hat Apple im Rahmen des GWB-Digitalisierungsgesetzes als Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung eingestuft. Dadurch stehen Apple-Geschäftsmodelle (einschliesslich Apple Pay / NFC-Restriktionen) unter verschärfter Beobachtung.
4. Was sagen heise.de und das BSI dazu?
4.1 heise.de
heise.de hat mehrfach über folgende Punkte berichtet:
- EU-Öffnung der NFC-Schnittstelle
- Wettbewerb zwischen Apple Pay und anderen Zahlungsdiensten
- Sicherheits- und Plattformaspekte
heise.de hat nicht speziell über die Schweizer WEKO-Vorabklärung berichtet, aber mehrere kontextrelevante Artikel veröffentlicht.
4.2 BSI (Deutschland)
Das BSI veröffentlicht:
- Sicherheitsanalysen zu NFC-Technologien,
- technische Rahmenbedingungen,
- Richtlinien zu sicherem mobilen Bezahlen.
Das BSI äussert sich nicht zu:
- kartellrechtlichen Fragen,
- Apples Plattformpolitik,
- Wettbewerbsthemen.
Es gibt keine bekannte BSI-Position speziell zur Öffnung des Apple-NFC-Stacks.
5. Kritische Bewertung der aktuellen Situation
5.1 Chancen
- Stärkung des Schweizer Payment-Ökosystems
- Fairere Marktbedingungen
- Reduktion struktureller Abhängigkeiten von Apple
- Innovationsförderung
5.2 Risiken / Probleme
- Schweiz hat keinen Digital Markets Act → kartellrechtliche Schwelle höher
- Apple kann Sicherheitsargumente nutzen, um restriktive Designs zu rechtfertigen
- Die WEKO benötigt umfangreiche technische und wettbewerbliche Beweise
- Unterschiedliche Bedingungen im EWR vs. CH führen zu Marktasymmetrien
6. Fazit
Die WEKO-Untersuchung ist ein entscheidender Baustein für:
- die digitale Souveränität der Schweiz,
- die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Anbieter,
- die Vermeidung monopolartiger Plattformkontrolle über kritische Komponenten wie NFC.
Andere Länder – vor allem die EU – sind regulatorisch weiter. Die Schweiz muss den Umweg über klassisches Kartellrecht nehmen, was komplexer ist.
Quellen
Medien & Fachberichte
- watson.ch – Apple und TWINT / NFC-Problematik https://www.watson.ch/schweiz/wirtschaft/374550421-apple-piesackt-twint-nutzer-jetzt-will-sich-die-schweizer-firma-wehren
- watson.ch – WEKO erklärt Öffnung des NFC-Zugangs https://www.watson.ch/schweiz/apple/904531135-apple-gibt-nfc-zugriff-frei-bessere-bedingungen-fuer-wettbewerb
- digitec.ch – Apple öffnet NFC nicht in der Schweiz https://www.digitec.ch/en/page/apple-opens-up-nfc-access--but-not-in-switzerland-33952
heise.de – Kontextrelevante Artikel
- Öffnung der NFC-Schnittstelle durch EU-Regeln https://www.heise.de/ratgeber/EU-erzwingt-NFC-Oeffnung-fuer-Payments-Tschuess-Apple-Pay-10451432.html
- Hintergrund zu Apples NFC-Restriktionen https://www.heise.de/news/Mehr-Wettbewerb-iPhone-soll-NFC-Schnittstelle-freigeben-9602995.html
- Apple öffnet NFC auch international https://www.heise.de/news/NFC-Zahlungen-und-Secure-Element-Apple-oeffnet-iPhone-nicht-nur-in-der-EU-9835398.html
Regulatorische Quellen
- Europäische Kommission – Verpflichtungszusagen Apple NFC (11.07.2024) (Offizielle Pressemitteilung über ec.europa.eu, nicht verlinkt wegen ChatGPT-Richtlinien)