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DNS-Sperren: Digitaler Protektionismus mit Ansage

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Wenn Behörden die Infrastruktur des Internets zur Zensurmaschine machen

Ein kritischer Blick auf DNS-Blockaden – und wie die Schweiz mit einem technisch untauglichen Instrument ihre Glücksspielbranche schützt.


Frankreichs Pariser DNS-Urteil (Januar 2026)

In Frankreich hat ein Pariser Gericht im Januar 2026 Google dazu verpflichtet, über seinen DNS-Resolver den Zugang zu 19 Domains und Unterseiten zu blockieren, die Live-Sport-Streams ohne Rechte verbreiten. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Damit stärkte das Gericht Rechteinhaber – trotz der offenkundigen technischen Schwächen von DNS-Blockaden: DNS-Sperren sind leicht umgehbar (z. B. mit VPN oder alternativen Resolvern) und können Overblocking auslösen. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Externe Lektüre:

  • 📌 https://www.linkedin.com/posts/adriennefichter_google-dns-sperren-pariser-gericht-st%C3%A4rkt-activity-7416894755973926914-GmKE/?originalSubdomain=de
  • 📌 https://www.heise.de/news/Google-DNS-Sperren-Pariser-Gericht-staerkt-Rechteinhaber-gegen-Streaming-Piraten-11138579.html

Schweizer DNS-Blockaden: Protektionismus statt Spielerschutz

Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) sperrt seit Inkrafttreten des Geldspielgesetzes 2019 ausländische Online-Casinos über DNS-Blockaden (Teil des gesetzlichen Rahmens zur Bekämpfung illegaler Anbieter). :contentReference[oaicite:3]{index=3}
Ziel sei Spielerschutz, doch das Ergebnis ist ernüchternd.

👉 Gemäss ESBK sind DNS-Sperren „technisch begrenzt wirksam und grundsätzlich umgehbar“. :contentReference[oaicite:4]{index=4}
👉 Trotz tausender gesperrter Domains bleiben viele illegal erreichbar. :contentReference[oaicite:5]{index=5}


Was sagt die ESBK selbst?

In den FAQ der ESBK wird ausdrücklich bestätigt:

  • Schweizer Spielende, die in illegalen Online-Casinos spielen, machen sich nicht strafbar. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
  • Die Sperrlisten werden regelmässig veröffentlicht (mit Verzögerung). :contentReference[oaicite:7]{index=7}

Damit zeigt sich: DNS-Sperren betreffen allein die Zugangsvermittlung, nicht den Kern des Problems.

Direkt bei der Behörde:

  • 📌 https://www.esbk.admin.ch/de/fragen-antworten

Warum DNS-Sperren keinen Nutzen stiften

1. Technisch leicht umgehbar

Browser, Systeme und Nutzer wechseln DNS-Resolver (z. B. 1.1.1.1, 8.8.8.8). VPNs umgehen lokale Sperren. Alternative Domains tauchen innerhalb von Stunden wieder auf.

2. Sicherheitsrisiken statt Schutz

DNS-Manipulation führt zu Fälschung der Antworten im Netz – funktional ähnlich einer Man-in-the-Middle-Attacke. Das untergräbt DNS-Sicherheit (DNSSEC-Warnungen, Fehlermeldungen).

3. Administrative Kosten

Monatliche Aktualisierungen, Bundesblatt-Publikationen und Provider-Koordination verschlingen Zeit und Steuergeld – mit minimaler Wirkung.

4. Kein messbarer Spielerschutz

Studien weisen auf hohe Marktanteile illegaler Online-Glücksspiele hin. Trotz jahrelanger Sperren fehlen belastbare Daten darüber, dass DNS-Blockaden diesen Anteil verringern. :contentReference[oaicite:8]{index=8}


Demokratischer Auftrag ≠ Fachliche Effektivität

Die Schweizer Bevölkerung stimmte 2018 für das Geldspielgesetz – mit dem Ziel, Spielerschutz und nationale Regulierung zu stärken.
Das ist ein demokratischer Wille.
Aber: Demokratische Legitimation macht ein untaugliches technisches Instrument nicht wirksam.


Fazit: Symbolpolitik mit Preis

DNS-Sperren sind:

  • technisch ineffektiv
  • administrativ aufwendig
  • sicherheitsrelevant problematisch
  • protektionistisch finanziell motiviert

Sie schützen weder Spielerinnen und Spieler effektiv, noch lösen sie das eigentliche Problem der illegalen Angebote. Stattdessen schöpft die Regulierung legitime Einnahmen für den nationalen Glücksspielmarkt – während das Internet als neutrale Infrastruktur beschädigt wird.


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